Conservatives Weltbild

Conservatives Wertegerüst verneigt sich nicht — erst recht nicht sprachlich — vor dem Zeitgeist. Pierre-Simon betrachtete „den gegenwärtigen Zustand des Universums als Effekt seiner Vergangenheit und die Ursache seiner Zukunft“.

“In einer vom Gleichen und Sich-Angleichen beherrschten Gegenwart sind es letztlich nur ihre Vergangenheit und Überlieferung, worin Länder und Kulturen sich unterscheiden. “ Botho Strauss

Der Conservative weiss daher um die Vergangenheit; er denkt europäisch und fühlt regional. Der Nationalstaat hat sich mit der bestialischen Nazizeit desavouiert, zeigt mit jeder erfolgreichen Krisenbewältigung jedoch mehr Stabilität und die demokratischen Spielregeln funktionieren. Deshalb aber eine emotionale Heimat -jenseits des Zwischenhochs bei der deutschen Wiedervereinigung- abzuleiten, vielleicht immer noch zu früh.

Conservative Neugierde nährt Innovation und bedeutet Offenheit gegenüber dem Ausland als wichtiger Impulsgeber. Eine feindselige Gesinnung gegenüber Ausländern passt daher definitiv nicht zum conservativen Weltbild.

Conservativ traut dem Einzelnen vieles zu, dem Staat wenig.

Conservativ will verbessern, nicht ändern, daher immer bereit, das Wertegerüst im neuen Kontext zu verproben: Basis für Fortschritt. Den Reaktionären hingegen stört das Neue, er ist in der Vergangenheit verfangen: Stillstand!

Was im Altconservativen nachwirkt: Fontane “Die wirklich Vornehmen gehorchen nicht einem Machthaber, sondern einem Gefühl der Pflicht”. Er bietet sich an, wenn es schwierig wird.

Vom vormals engen Korsett der Pflicht hat sich der moderne Conservative in einem international vernetzten Umfeld emanzipiert zugunsten der joy de vivre (Lust am Leben). Die Nähe zu Frankreich — en rigole — und Italien — dolce vita — brachten einen Stimmungsumschwung. Mancher Altconservative denkt weiter preußisch und fühlt mitunter Phantomschmerzen in einer egalisierten Welt des Hedonismus, bleibt aber grundsätzlich heiter.

Conservativ und Tugend:

Mut und Demut: Der den Conservativen prägende, preußische Tugendkatalog ist eine Ableitung aus den vier christlichen Kardinaltugenden, der Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit. Es fällt auf, dass der Gehorsam nicht dazu zählt. Entgegen der Geschichtslegende war Altpreußen eine Monarchie der Rechtsgesinnung (Herbert Kremp/Die Welt vom 5.2.01), daher ist die Rechtsgesinnung hier auch mit aufzuführen. Er hütet sich vor Selbstvergiftung durch Habgier und Neid.

Spurenlese

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