Zu den altkirchlichen Wesensmerkmalen der Kirche gehört:

Leiturgia (Gebet)

Martyria (Zeugnis, Predigt, Unterricht)

Koinonia (Gemeinschaft, füreinander einstehen, Seelsorge)

Diakonia (das praktische Tun)

Der Conservative steht in der Tradition des christlichen Abendlands. Er sehnt sich nach Ökumene. Diese Sehnsucht scheint bei jenen kirchlichen Profis der evangelischen Kirche nicht ausgeprägt, die durch Äußerungen oder Handlungen (zB Abendmahl auch an Nicht-Getaufte) ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten der katholischen Kirche negativ auffallen. Ökumene scheidet im Übrigen mit nicht-christlichen Glaubensrichtungen aus und ist deshalb für den Conservativen auch nicht anzustreben, es gibt alternative Annäherungsebenen. Zum Glauben gehört für den Conservativen die Hilfe der Schwachen, Bedürftigen und Kranken. Das merkwürdiger Weise getrennt- unabhängige Wirken der diakonischen Werke (erst recht nicht mit rezent eigenwilligen Stellungnahmen zur Sterbehilfe — s.o.) kann er nicht nachvollziehen.

Conservatives Denken akzeptiert auch die Verführbarkeit und das Böse im Menschen. Daher stellt der Conservative den Wert von institutionellen Regeln heraus, die den Menschen am Bösen hindern und damit Freiheit sichern, Christen weisen auf die Notwendigkeit der Buße hin, um zur wahren Freiheit der Kinder Gottes (von der Selbstverkrümmung) zu gelangen.

Dem Conservativen macht zu schaffen, daß die Kirche ihr spirituelles Profil zugunsten einer politisierten Akzentuierung und der Beschäftigung mit Randgruppen vernachlässigt. Moral statt Spiritualität hat sie ausweislich der andauernden Austrittswellen offensichtlich nicht weitergebracht, der oft zögernde Umgang mit Mißbrauchsvergehen an Schutzbefohlenen in der katholischen Kirche hilft nicht.

Zur Spiritualität gehört für den Conservativen ausreichende Kenntnislage der biblischen Botschaft, die es in breiten Teilen der Bevölkerung — leider — nicht mehr gibt. Das hängt auch mit der schwankenden Qualität von Gottesdiensten zusammen. Jene Gottesdienste, die diese Kenntnisuntiefen auszufüllen verstehen, ob nun Erläuterung der Liturgie (statt freischaffender Gestaltung) oder sauberer Exegese (statt feuilletonistischer Assoziationsketten) sind voll — sogar mit Jüngeren. Wahre Frömmigkeit lehren die orthodoxen Kirchen (Berg Athos).

Das Dreieinigkeitsverständnis: Gott (der Vater), der Heilige Geist (sein Leben spendender Atem), der Sohn (sein Gesicht auf Erden) wird selten im Gottesdienst vermittelt. Was das Abendmahl bei den christlichen Kirchen bedeutet, scheint selbst manchen Gläubigen kaum noch geläufig, dem Conservativen aber hoffentlich bekannt, wenn er an die Gemeinschaft im Heiligen (neutrische Übersetzung der communio sanctorum nach Prof. Dr. Wentz) glaubt:

Die lutherischen Abendmahlslehre geht von der sakramentalen Einheit von Leib und Blut Jesu Christi mit Brot und Wein aus, also von einer Realpräsenz des Leibes und Blutes Christi durch die Konsekration in den Abendmahlsgaben zur Vergebung der Sünden. Einsetzungsworte: Das IST mein Leib….., das IST mein Blut, das…für die Sünden…

Im katholischen ist klar, dass die Substanz der Abendmahlselemente durch die Wandlung einer neuen Substanz, nämlich Jesus Christus, weicht und nur noch die Akzidenzien von Brot und Wein übrig bleiben. Einsetzungsworte identisch mit den lutherischen. Die katholisch-lutherischen Unterschiede als daher Trennendes zu akzentuieren, wird selbst der theologisch wohlmeinende Laie eher als Zumutung empfinden.

Reformierte Kirche sieht im Brot und Wein bloße Zeichen, die daran erinnerten, dass Christus Leib und Blut hingegeben hatte. Während der Abendmahlsfeier sei Christus im Glauben, keineswegs jedoch in den Elementen präsent. Die Eucharistie wird als Gedächtnis des Opfers Jesu Christi begangen. Einsetzungsworte: Das Brot, das wir brechen, ist Gemeinschaft mit dem Leibe Christi. Einsetzungsworte nach Zwingli: Das bedeutet mein Leib. Sehr kognitiver Angang.

“Fürchte Dich nicht” begleitet das konservative Innenleben.

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