Conservativ und Konversation

BEGEGNUNG

Leben ist Begegnung (Martin Buber), daher schätzt er Conservative Gesellschaft. Im Du das Ich finden (auch Buber) eine treffende, wiewohl outrierte Formulierung: es funktioniert auch “per Sie”.

Konversation soll unterhalten und nicht beeindrucken wollen, von Aufmerksamkeit getragen, dem Gegenüber Raum geben und ohne unziemliche Fragen auskommen. Damen zu widersprechen, kann nur schief gehen. Krankheiten und Politik führen zu einer eindimensionalen Sackgasse jeden Gesprächs, erst recht aber kaufmännisches Allerlei, am schlimmsten Witze. Im Übrigen gilt Psalm 37 “Des Gerechten Mund ist es, der mit gedämpfter Stimme Weisheit äußert.” Es ist sehr unhöflich, nicht mindestens einmal auf das Gesagte des Gegenübers einzugehen. Angehäuftes Wissen, Titel, Reichtümer und Ahnen wie ein Denkmal vor sich herzutragen, langweilt wie narzisstische Exzesse von Egomanen bei Dauerbeharkung den (Zwangs-) zuhörer ermüden.

Der geistreiche Altconservative wurde früher als angenehmer Causeur bezeichnet.

Anrede:

Während bergbäuerliches Duzen ein Vertrauenssignal darstellt, ist die duzende Kumpelei im Berufsumfeld als Ausdruck jugendlichen Fortschrittglaubens in Erwartung geschäftlicher Dauerinitialzündungen oft überzogen, im Übrigen falsch aus dem angelsächsischen übernommen (hier ist das Du tatsächlich ein Sie). Im altconservativen Umfeld galt Vornamen und Sie als Kennzeichen sehr hoher Vertrautheit.

Titel:

Das Weglassen oder erst recht (mediale) Verächtlichmachung altertümlicher Titel in Rede und Anschrift empfindet der Conservative als eine geschichtsvergessene Humorlosigkeit (“Herr Habsburg”) gegenüber liebenswürdigen Anachronismen. Akademische Titel spielen interessanter Weise im deutschsprachigen Umfeld eine wichtige Rolle, im Südöstlichen erfahren sie sogar eine Erhöhung, ganz anders im Angelsächsischen.

Spurenlese

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